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Kunst

Auch wenn das Wort Kunst im weitesten Sinne jede entwickelte Tätigkeit bezeichnen kann, die auf Wissen, Übung, Wahrnehmung, Vorstellung und Intuition gegründet ist (Heilkunst, Kunst der freien Rede) beschäftigt sich die Seite Kunst.org überwiegend mit Bildender Kunst.
Nachstehend werden wichtige Begriffe und Definitionen zur Kunst näher erläutert.

Bildende Kunst

Die Bezeichnung Bildende Kunst hat sich seit dem frühen 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum als Überbegriff für die visuell (bildnerisch) gestaltenden Künste eingebürgert. Im deutschen Sprachraum wird die Bildende Kunst – anders als zum Beispiel im Französischen (les Beaux-Arts), im Italienischen (le belle arti) oder im Englischen (Fine Arts) – unterschieden von den darstellenden Künsten (Theater, Tanz, Filmkunst) und der Literatur sowie der Musik, wobei es aber zunehmend Überschneidungen gibt. Während sich Werke der anderen Künste in einem zeitlichen Ablauf vollziehen, existieren Werke der bildenden Kunst meist als körperlich-räumliche Gebilde, welche aus sich selbst heraus wirken und keinen zusätzlichen Interpreten benötigen, um vom Betrachter wahrgenommen zu werden.
Zur Bildenden Kunst zählten ursprünglich auch die Baukunst, die Bildhauerei, die Malerei und die Grafik sowie das Kunstgewerbe, welches auch als Angewandte Kunst oder Gebrauchskunst bezeichnet wird. In Folge der Entwicklung neuer Medien und der fortschreitenden Ausweitung des Kunstbegriffes im 20. Jahrhundert wird der Begriff Bildende Kunst heute allerdings sehr viel weiter gefasst und ist im Einzelfall nicht mehr eindeutig von den anderen Kunstformen abzugrenzen. So wird das bis zum Beginn der Moderne vor allem visuell und oft haptisch erfahrbare Kunstwerk im 20. und 21. Jahrhundert fallweise prozessorientiert, wandelt sich etwa zur reinen Idee oder existiert nur als Handlungsanweisung oder Konzept. Statt des Gattungsbegriffs definiert sich die aktuelle bildende Kunst im engeren Sinne durch den Kunstbetrieb, zu dem etablierte Vertreter der Kunstkritik, des Kunsthandels, der Medien, die Sammler und die Kunstmuseen gehören.

Der Kunstbegriff

Im engeren Sinne werden mit Kunst die Ergebnisse gezielter menschlicher Tätigkeit benannt, die nicht eindeutig durch Funktionen festgelegt sind. Kunst ist ein menschliches Kulturprodukt, das Ergebnis eines kreativen Prozesses. Das Kunstwerk steht meist am Ende dieses Prozesses, kann aber seit der Moderne auch der Prozess bzw. die Idee selber sein.
Seit der Aufklärung versteht man unter Kunst vor allem die Ausdrucksformen der sogenannten Schönen Künste:
Bildende Kunst mit den klassischen Gattungen Malerei und Grafik, Bildhauerei, Architektur, und etlichen Kleinformen sowie seit dem 19. Jahrhundert dem Kunstgewerbe oder Angewandte Kunst genannten Grenzbereich zum Kunsthandwerk,
Darstellende Kunst mit den Hauptsparten Theater, Tanz und Filmkunst,
Musik mit den Hauptsparten Vokalmusik und Instrumentalmusik,
Literatur mit den Hauptgattungen Epik, Drama und Lyrik.
Ausdrucksformen und Techniken der Kunst haben sich seit Beginn der Moderne stark erweitert, etwa mit der Fotografie in der Bildenden Kunst. Bei den Darstellenden Künsten, Musik und Literatur lassen sich heute auch die Ausdrucksformen der Neuen Medien dazuzählen, etwa Hörfunk, Fernsehen oder Videokunst. Die klassische Einteilung verliert spätestens seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert in der Suche nach dem Gesamtkunstwerk aber an Bedeutung, moderne Kunstgattungen wie die Installation oder der Bereich der Medienkunst kennen die klassischen Grundformen nicht mehr.

Etymologie und Wortgebrauch

Das Wort "Kunst" ist ein deutscher Begriff. Bereits im Althochdeutschen lautete es kunst (Plural kunsti), im Mittelhochdeutschen kunst Pl. künste. Ursprünglich ist kunst ein Substantivabstraktum zum Verbum können mit der Bedeutung "das, was man beherrscht; Kenntnis, Wissen, Lehre, Meisterschaft". Die Redewendung „Kunst kommt von Können“ ist also etymologisch, dem Wortursprung nach, richtig.
Die heutige Bedeutung des Wortes hat sich dadurch entwickelt, dass zusätzlich der lateinische Begriff ars mit "Kunst" ins Deutsche übersetzt wurde (Lehnbedeutung). Besonders seit der Neuzeit wird der Begriff zunehmend mehrdeutig, weil neben alten Verwendungen des Wortes (im Sinne von „Lehre, Wissen“) neue treten (im Sinne des Plurals Künste als „Kunstgattung“, etwa „autonome Künste“, „schöne Künste“).

Kunst im heutigen, am häufigsten gebrauchten Sinn wurde begrifflich vor allem von Winckelmann, Lessing, Herder, Goethe und Schiller geprägt. In ihren ästhetischen Schriften beschreiben sie die menschlichen Hervorbringungen zum Zwecke der geistigen Erbauung als Kunst, sei es im Theater, in der Literatur, in der Musik oder die Werke „bildender Künstler“, auf die sich der Begriff schließlich zunehmend verengt. So hat sich Kunst- auch als Präfix für Wortbildungen wie Kunstausstellung, Kunstwerk, Kunstauktion etc. herausgebildet.

Die Geschichte des Kunstbegriffes

Kunst in der Vorgeschichte / prähistorische Kunst:

Die Prähistorie, g.h. die Vor-Geschichte, umfasst den Zeitraum vom Beginn der Menschwerdung bis zur Einführung der Schrift. Da die Schrift nicht allerorts zur gleichen Zeit eingeführt wurde, ist die Vorgeschichte etwa in Ägypten schon um das 4. Jahrtausend vor Chr. zu Ende, während sie z. B. in Nordeuropa mancherorts noch bis ins 12. Jahrhundert nach Chr. andauert. Entsprechend vielfältig sind die künstlerischen Hinterlassenschaften, die aus dieser Zeit fast nur durch Ausgrabungen überliefert sind.
Zu den frühesten Zeugnissen prähistorischer Kunst gehören Höhlenmalerei, Felszeichnung und Felsritzung. Ähnlich wie bei den Funden kleiner Statuetten (Löwenmensch) datiert man die ältesten Höhlenbilder (Chauvet-Höhle) auf rund 30.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Und sie alle haben vormutlich einen kultischen Hintergrund. Interessante Siedlungsfunde gibt es z. B. in Çatalhöyük, wo vor rund 8000 Jahren auch Wandmalereien entstanden sind.
Mit Beginn der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit werden unterschiedliche Materialien intensiver und geschickter bearbeitet: Ton, Keramik, Holz, später Metalle wie Bronze (Bronzezeit), Kupfer und Eisen. Verzierte Gefäße, Gürtelschnallen, Schwertknäufe, Gewandspangen (Fibeln) und ähnliche, am Körper von Bestatteten gefundene Gegenstände sowie Totenmasken oder Münzen sind die häufigsten Artefakte, an der die Archäologie den Gestaltungsdrang der vorgeschichtlichen Menschen festmachen können. Von „Kunst“ im heutigen Sinne kann noch nicht gesprochen werden. Gestaltete Gegenstände jenseits des täglichen Gebrauchs wie die jüngst gefundene Himmelsscheibe von Nebra, die die erste bekannte kosmologische Darstellung zeigt, sind extrem selten.
Die Eisenzeit bringt in Europa die keltische Kultur hervor, die vom 4. vorchristlichen bis zum 5. nachchristlichen Jahrhundert eine beachtliche künstlerische Produktion vorweisen kann. Von der Keltischen Kunst wirkt besonders die Ornamentik stark bis ins Hohe Mittelalter nach, wo die Buchmalerei auf die verschlungenen Knoten und Ranken dieses geometrisierenden Stils zurückgreift.

Kunst ist vom Ursprung her eine kultische Erscheinung, die sich zeitgleich oder im Zusammenhang mit vorzeitlichen Kulten oder Religionen entwickelte. Sowohl Malerei und Skulptur, als auch Musik und Tanz treten bereits in der Altsteinzeit in Erscheinung. Zu den frühesten Zeugnissen von Kunst gehören die knapp 40.000 Jahre alten Elfenbeinfiguren aus dem Lonetal, die Flöten aus Geißenklösterle oder die Höhlenmalereien von Chauvet. Historisch entwickelten sich die Künste aus ihrem Beitrag zur materiellen Organisation von Kulten und Ritualen. In der Frühzeit menschlicher Entwicklung ist das Auftreten von Kunst einer von mehreren Indikatoren für die Bildung von Bewusstsein und menschlichem Denken. Kunst meint in diesem Zusammenhang Verrichtungen oder Darstellungen (z. B. Musizieren, Bemalung), die keinen unmittelbaren Nutzen zur Lebenserhaltung erkennen lassen.
Bei heutigen Naturvölkern lässt sich die frühe kultische Funktion von künstlerischen Ausdrucksformen ebenso studieren wie eine anthropologische Konstante: das Bedürfnis (sich oder Gegenstände) zu schmücken, das sich besonders im Ornament als erstes ebildet hat. Diskutiert werden außerdem soziologische Funktionen von künstlerischen bzw. ornamental gestalteten Artefakten in den Gesellschaften der Ur- oder Frühgeschichte. Somit fungiert Kunst seit frühester Zeit auch als Distinktionsmerkmal, wie es von der aktuellen Kunsttheorie und Kunstsoziologie diskutiert wird. Da die Vorgeschichte per Definition eine schriftlose Epoche ist, gibt es allerdings keinerlei Überlieferung eines damaligen Kunstbegriffs.

Kunst im Altertum

Von den frühen bis zu den späten antiken Kulturen, vom ägyptischen Alten Reich über das klassische Griechenland bis zum späten Römischen Reich, ist eine Fülle von Kunst erhalten: Architektur, Skulpturen, Fresken und Kleinkunst. Dass sie als solche bezeichnet werden, ist aber im Grunde ein Anachronismus, denn zur damaligen Zeit galten Malerei und Bildhauerei gar nicht als Kunst, sondern Handwerk, ihre Erzeugnisse als Produkte von Handwerken, nicht aber von Künstlern. Theater war bereits weit entwickelt und geachtet.

Als freie Künste (artes liberales) wurden in der Antike die Kenntnisse und Fähigkeiten bezeichnet, welche einem freien Mann – im Gegensatz zu einem Sklaven – zur Verfügung stehen sollten. Martianus Capella (ca. 400 vor Chr.) hat sieben Künste in zwei Gruppen eingeteilt: das Trivium beinhaltete Grammatik, Dialektik und Rhetorik; das Quadrivium umfasste Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik. Von den Schönen Künsten im modernen Sinn war also allein die Musik in der Antike als Kunst anerkannt. Im Hellenismus wurden aber auch Medizin und Architektur zu den freien Künsten gezählt. Mechanische Künste, die mit der Hand ausgeführt werden mussten, worunter eben auch die Malerei oder die Bildhauerei fielen, waren Handwerk und galten nicht als freie Kunst..
Die Unterscheidung von Kunst, welche vorwiegend aus dem Geist entsteht, und Kunst, welche manuell gefertigt werden muss, wird sich in der Bildenden Kunst über 2.000 Jahre immer wieder anders darstellen, vom Paragone in der Renaissance (dem Wettstreit der Kunstgattungen, welche die edelste von allen sei) über den deutschen Idealismus des 18. Jahrhunderts und seinen Anteil am modernen Kunstbegriff (der technisches Können nur noch als banales Werkzeug des Künstlers begreift seiner Idee Ausdruck zu verleihen) bis hin zur Konzeptkunst der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts, welche die künstlerische Idee gleich ganz vom ausgeführten Gegenstand entkoppelt.

Kunst im Mittelalter

Mit den Umbrüchen der Völkerwanderungszeit löste sich das antike Kunstleben in Europa quasi auf. Der mittelalterliche Kunstbegriff übernimmt jedoch das Schema der artes mechanicae wie der artes liberales, der freien Künste des (philosophischen) Grundstudiums, die in den drei großen Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgesetzt wurden.
Der bildende Künstler ist nach wie vor ein Handwerker und in Zünften - wie alle anderen Berufe - organisiert. Als Individuum tritt er selten in Erscheinung, die Signatur eines Werkes ist damals nicht üblich. Auftraggeber für beinah alle künstlerischen Arbeiten – Malerei, Bildhauerei, Musik– ist die Kirche. In geringem Maße lässt sich aber auch der feudale Adel Auftragsarbeiten liefern. Es entstehen profane und sakrale Ausdrucksformen, Bildtypen, Musikformen und anderes.
Vertrat man in der Antike noch ein naturalistisches Menschenbild und versuchte daher die Natur möglichst realistisch darzustellen, so definierte sich Schönheit im Mittelalter über den geistigen (also meist religiösen) Gehalt der Darstellung, wie er von den Scholastikern als Schönheit Gottes erkannt wurde, die sich in der Kunst widerspiegeln sollte.

Kunst in der frühen Neuzeit

Der Stellenwert der bildenden Kunst und der Arbeit des Künstlers ändert sich in der Neuzeit mit dem Übergang zu einer bürgerlichen Gesellschaft: Wo vorher meist Kirche und Adel Auftraggeber waren, entsteht mit dem gebildeten Kunstsammler eine neue Zielgruppe.
Dies beginnt zuerst in Italien mit der Frührenaissance und setzt sich dann ab Mitte des 15. Jahrhunderts in ganz Europa fort. Die Städte werden mächtiger und mit ihnen die Kaufleute, welche ihre neue gesellschaftliche Position mit Kunst demonstrieren. Der Künstler entdeckt sich als Subjekt, und schafft Werke, deren Hauptzweck nicht mehr die Vorstellung eines Glaubensinhalts oder der Macht eines Fürsten ist, sondern die fachkundige Debatte über Entwurf, Ausführung und Könnerschaft. So entstehen ikonographische Bild- und Architekturprodukte, welche zu interpretieren eine Aufgabe für das Kunstpublikum ist. Es entsteht eine neue literarische Gattung, die Kunstliteratur, das Schreiben über Künstler und Kunst. Lunst-Betrachtung („Kunstgenuss“) ist Bestandteil der künstlerischen Intention. Der selbstständige Künstler denkt über seine Rolle nach, was in der bildenden Kunst im Paragone öffentlich gemacht wird.
Die „Wiedergeburt“, die im Begriff Renaissance angesprochen wird, bezieht sich auf die erneute Anknüpfung an die klassische Antike, auf deren Menschenbild und Naturbegriff die Kunstproduktion aufbaut. In der Musik und Literatur blühen profane Werke. Die Reformation forciert die Schwächung der römisch-katholischen Kirche als wichtigstem Auftraggeber der Künstler, was auf dem Konzil von Trient mit einem ausführlichen Gegenkonzept beantwortet wird. Die Notwendigkeit einer katholischen Gegenreformation legt den Grundstock für die Explosion der künstlerischen Produktion in Musik und Bildender Kunst im Barock.

Kunst in Zeit der Aufklärung

In der zweiten Hälfte des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Aufklärung, begannen die gebildeten Kreise Gemälde, Skulpturen und Architektur, sowie Literatur und Musik als Kunst im heutigen Wortsinn zu diskutieren. Themenverbindend wurde die Ästhetik in Abgrenzung zum Hässlichen als Kategorie zur Qualifizierung von Kunstwerken begründet. Freiheit wurde zum Ideal für Politik, Wissenschaft sowie für die sich allmählich als eigenständige Bereiche herausbildenden Literatur und Kunst. Der handwerkliche Aspekt künstlerischen Schaffens verlor an Bedeutung. Mit dem deutschen Idealismus stand die Idee über dem Artefakt. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diesen Prozess war die durch die beginnende Industrielle Revolution beschleunigte Säkularisierung.
Die Differenzierung zwischen Literatur und Kunst war das Ergebnis der kurz zuvor begonnenen Literaturdiskussion, die sich nicht mehr mit allen geistigen Arbeiten befasste, sondern Romane, Dramen und Gedichte als Literatur in einem gewandelten Wortsinn zusammenfasste. Im Bestreben, ein größeres Publikum anzusprechen, wurde der Terminus Kunst zunächst auf Gemälde und Skulpturen verengt, auf Gegenstände, die in den Zeitungen und Zeitschriften – den Journalen, die es seit dem frühen 18. Jahrhundert gab, vorgestellt und beurteilt wurden. Es entstand ein verbreitetes Rezensionswesen. Die Begriffe Werk, Original und Genie als Ausdrucksformen der Individualität des Künstlers wurden durch Kant geprägt. Man unterschied zwischen inneren und äußeren Bildern. Innere Bilder waren zum Beispiel Sprache, Vorstellungen und die Ideen, äußere hingegen Einrichtungsgegenstände, Bauwerke oder handwerklich gefertigte Produkte.
Dem Freiheitsgedanken gemäß ist der bildende Künstler nicht mehr einem Auftraggeber verpflichtet, sondern produziert unabhängig für einen neu entstehenden Kunstmarkt. Damit wandeln sich zum einen die Themen, die statt religiöser und mythologischer Motive, Porträt und Allegorie nun zum Beispiel auch Schilderungen aus der Arbeitswelt des aufkommenden Industriekapitalismus umfassen. Zum anderen entwickeln sich individuelle Stile, die nicht zuletzt als Markenzeichen, modern gesprochen als Marketinginstrument der konkurrierenden Künstler dienen. Auch Komponisten wie Mozart verabschieden sich aus festen Anstellungen bei weltlichen oder kirchlichen Fürsten. Diese neue Freiheit ist mit entsprechenden Risiken verbunden, das romantische Bild des verarmten Künstlers, verbunden mit dem Geniebegriff sind die Folgen.

Kunst in der Moderne

Der Begriff Moderne bezeichnet einen Umbruch in allen Bereichen des individuellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens gegenüber der Tradition. Heute wird dieser Begriff überwiegend mit Entwicklungen in Verbindung gebracht, die die jüngere europäische Geschichte betreffen: Geistesgeschichtlich mit der Aufklärung schon ab dem 17. Jahrhundert, ökonomisch mit der Industrialisierung des mittleren 18. Jahrhunderts, politisch mit der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhundert (politische Moderne) und dem Nationalismus des frühen 19. Jahrhunderts, in der Literatur- und der Kunstgeschichte als ästhetische Moderne ab dem beginnenden, als Stil ab dem ausgehenden 19. Jahrhundert.
Ein Ende der Moderne wird heute etwa im mittleren bis späten 20. Jahrhundert angesetzt, als stilkundlicher Begriff verwendet man dann den Ausdruck „Klassische Moderne“ für ein abgeschlossenes Zeitalter, und als Kategorisierung etabliert sich für die Gegenwart in einigen Fachgebieten – nicht unumstritten – der Begriff der Postmoderne. Andere Ansätze unterscheiden zwischen einer „Ersten“ und einer Zweiten Moderne und sprechen von einer gegen die Moderne gerichteten Gegenmoderne; Entwicklungsstufen der Moderne vor 1800 werden vereinzelt auch als Protomoderne bezeichnet.

Die Aufklärung bereitete den Kunstbegriff der Moderne vor. Emanzipierte sich am Ende des Mittelalters der Künstler zum autonomen Subjekt, so emanzipierte sich am Ende des barocken Feudalismus das Kunstwerk selbst und wurde autonom. Im Zeitalter von Maschinen, Arbeitsteilung und Automatisierung veränderte sich der Status von handwerklicher Tätigkeit in der Kunst. Kunst existiert nun nicht mehr in Funktionszusammenhängen, sondern allein aus sich heraus, wird zu L'art pour l'art. Die in Funktionszusammenhängen verbleibenden Kunstformen konstituieren sich unter dem neuen Oberbegriff Angewandte Kunst für das Kunstgewerbe.
Waren in der Stilkunde bisher mit den Stilepochenbezeichnungen nachträglich dem jeweiligen Kunstschaffen angehängte Termini, so prägen nun Künstler programmatisch oder ihre diskursiven Gegen- und Mitspieler – die neue Gruppe der Kunstkritik – selber ihre Kategorien: es entstehen zahllose, zum Teil parallele Ismen als einem Begriff von Stil statt einem Konzept von Epoche.
Mit dem Beginn der Moderne beginnt zugleich der Antagonismus der Gegenmoderne. Waren bis zur Aufklärung die Adressaten für Kunst nur ein sehr kleiner Kreis (der Klerus, der Adel, das reiche Bürgertum), so erweitert sich das Publikum mit der Entstehung des freizugänglichen Kunstmarktes, den zu seiner Förderung veranstalteten öffentlichen Ausstellungen (Salons) und den in der Presse eröffneten Debatten über Kunst, der massenhaft verlegten Literatur etc. beträchtlich. Zugleich konzentrierte sich die künstlerische Auseinandersetzung sowohl in bildender Kunst wie der Musik oder Literatur immer stärker auf die Untersuchung der eigenen Entstehungsbedingungen. In dem Maße, in dem sich die Kunst selbst thematisierte (Metakunst), verlor sie das Interesse der breiten Schichten, denen sie als Avantgarde eigentlich vorangehen wollte.
Blieben zuvor Konflikte um Kunst intern und waren beispielsweise patriotischer Natur (florentinisches Disegno contra venezianisches Colore) oder eine Frage des Geschmacks (Rubenisten contra Poussinisten, Streit der Anciens et Modernes etc.), so verweigern nun ganze Teile der Gesellschaft der Kunst ihrer Zeit die Akzeptanz. Es entwickelt sich eine Gegenmoderne, die ihre Ausdrucksformen in diversen der modernen Kunst entgegengesetzten Stilen sucht - z.B. durch neoklassizistische, andere historistische oder bewusst anachronistisch ausgerichtete Kunst. Dies kann als ein Protest gegen die Prinzipien moderner bzw. kontemporärer Kunst verstanden werden.
Über diesen Protest weit hinaus ging die Diffamierung der modernen Kunst im Nationalsozialismus, der mit dem Schlagwort Entartete Kunst die Klassische Moderne im Ganzen zu treffen versuchte: durch Berufsverbote, höhnische Präsentationen bis hin zur physischen Vernichtung. Ab November 1936 wurden nach und nach alle Abteilungen der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in den deutschen Museen aufgelöst. In der Sowjetunion entstanden in den 20er Jahren die noch als revolutionär empfundene Avantgarden Konstruktivismus und Suprematismus, mit Beginn des Stalinismus gewinnt der anti-moderne Reflex die Überhand und führt zum Sozialistischen Realismus in Literatur, bildender Kunst und Musik.
Diese gewaltsame, durch den Staat hervorgerufene Unterbindung moderner Spielarten der Kunst ist allerdings nicht mit der Unzufriedenheit einiger Bevölkerungsteile über zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen (vor allem in der Architektur) gleichzusetzen. Ein Nebeneinander verschiedenster Stile ist heute weitgehend akzeptiert und schafft eine große künstlerische Bandbreite in der heutigen Globalkultur.

Der Begriff der Moderne geht tendenziell weit über einen Epochenbegriff – wie etwa den des Mittelalters – hinaus. Das historische Einsetzen der Moderne ist dabei stets eine Frage theoretischer Interessen und Grundlagen. Bezeichnender Ausdruck dafür ist eine schwer eindämmbare Rückdatierung. Das entspricht eher dem Phänomen „Ende der Antike“, das sich auch nur behelfsmäßig an Eckdaten festmachen lässt.[1]
Aus einer zunehmend kulturwissenschaftlichen – allerdings beschränkten, da eurozentristischen – Sicht, verschiebt sich das Einsetzen der Moderne mit jeweils guten Gründen rückwärts. Die vorgeschlagenen Anfänge reichen dabei vom Zusammenbruch des Realsozialismus und einem „Ende der Geschichte“ über die Erschütterungen durch den ersten Weltkrieg, die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts bis - wenn auch seltener - zum Beginn der Neuzeit mit dem Humanismus und der Reformation zurück. Meist jedoch wird der Beginn zwischen dem späten 18. und mittleren 19. Jahrhundert,[2] angesetzt - und damit zur Zeit des Übergangs von einem feudalistischen zu einem bürgerlichen Gesellschaftsmodell.
In einem gewissen Sinne steht die Moderne dabei, neben der Überwindung des Mittelalters, auch in einer Auseinandersetzung und Abgrenzung zur Antike: Nach einer Wiedergeburt der Antike, nach der sich die Renaissance benennt, orientiert sich die Moderne nicht mehr an historischen Vorbildern. Diese große Wende im Denken vollzog sich erst gegen Ende der Aufklärung, spürbar wurde sie erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Der Umbruch prägte die auf einen ästhetischen Klassizismus folgende Stimmung im Sturm und Drang und in der Romantik.

Postmoderne Kunst

Die postmoderne Anschauung von Kunst stellt zum Teil die Ideen von Freiheit, Originalität und Authentizität wieder in Frage, setzt bewusst Zitate anderer Künstler ein und verbindet historische und zeitgenössische Stile, Materialien und Methoden und unterschiedliche Kunstgattungen miteinander. Kunstbetrieb und Ausstellungsorte werden von einer Metaebene aus hinterfragt (White Cube). Die Grenzen zwischen Design, Popkultur und Subkultur einerseits und Hochkultur andererseits verschwimmen.
Zeitgenössische Kunst, Kunst der Gegenwart und ähnliche Sammelbegriffe fassen gegenwartsbezogene Kunst nur sehr allgemein. Der Begriff Künstlerische Avantgarde ist für die seit Beginn der Postmoderne entstehende Kunst überholt, da es in offenen Gesellschaften und Kulturen keine allgemeinverbindliche Richtung für eine Vorhut oder für Vorreiter geben kann. Daher wird der Begriff „zeitgenössische Kunst“ auch zur Umschreibung für künstlerische Arbeiten oder Handlungen benutzt, die in der Gegenwart etwas so wahrnehmbar machen, dass sie kulturell bedeutend in die Zukunft wirken. In diesem Sinne freie und zeitgenössische Kunst ignoriert scheinbar alle Bedingungen, akademischen Regeln und Einteilungen, alle Kunststile, Kunstsparten und kulturellen Grenzen, während sie sich gleichzeitig die Freiheit nimmt, sie je nach künstlerischem Bedarf zu reflektieren, zu bearbeiten und zu nutzen.
Derartige Kunst repräsentiert ein System Kunst[3] , das sich ähnlich dem System Wissenschaft im Laufe der Industrialisierung herausgebildet hat. Zeitgenössische Kunst als global und interkulturell funktionierendes System vereint die Ursprünge in verschiedenen Kulturen, Kunstgeschichte zum theoretischen Fundament von Kunst, wobei für die abendländische Kunsttradition die antike Philosophie als historische Basis besonders bedeutend bleibt. Auch zeitgenössische Kunst lässt herkömmliche Einteilungen, wie Malerei, Bildhauerei, Tanz, Musik, Theater usw. durchscheinen, zeichnet sich jedoch gerade durch ihre Thematisierung, in Frage Stellung, Überwindung, Erweiterung, interdisziplinäre Integration und Ironisierung aus. Heute stehen Fotografie und Performance neben Malerei und Theater, während die Medienkünste sich ohnehin so verorten, wie es jeweils mediengerecht und sachdienlich ist.
Ähnlich wie in der Wissenschaft erschließt sich das umfassende Verständnis der möglichen Bedeutungen von Werken und Arbeiten oft erst durch eingehende Beschäftigung mit dem künstlerischen Gegenstand. Es wird in verschiedenen Kontexten interpretiert, die sich je nach Betrachter und Leser, je nach Publikum und den in das Geschehen Einbezogenen, sowie je nach Interessen der Kritiker und anderen professionelle Vermittlern wandeln und unterscheiden. In der Kunsttheorie wird der zeitgenössische Kunstbegriff intensiv diskutiert. Sie stellt dabei sowohl den Künstler, den Rezipienten, den Kunstmarkt oder das Kunstwerk selbst ins Zentrum der Untersuchung.
Im Zuge der Globalisierung findet einerseits ein vermehrter Dialog verschiedener Kunstrichtungen in aller Welt als Weltkunst statt, andererseits wurden regionale Unterschiede tendenziell nivelliert, und als Gegenreaktion entsteht der Begriff ethnische Kunst.

Die Zeitgenössische Kunst / Aktuelle Kunst / Modern Art

Zeitgenössische Kunst meint Kunst, insbesondere Bildende Kunst, die von Zeitgenossen hergestellt und von anderen Zeitgenossen als bedeutend wahrgenommen wird. In der Regel, wenn nicht ausdrücklich ein definierter, zurückliegender, Zeitrahmen genannt wird („Z.K. des 19. Jahrhunderts“), ist damit die Gegenwartskunst angesprochen. Vergleichbare Benennungen in diesem Zusammenhang sind aktuelle Kunst sowie der englischsprachige Begriff contemporary art.
Diese Begriffe werden benutzt, um die Bezeichnung Moderne Kunst bzw. Avantgarde zu vermeiden. Alltagssprachlich steht modern für „zeitgemäß, nach dem Zeitgeschmack, neuzeitlich“[1] und kann insofern als synonym zu zeitgenössisch gelten. Fachsprachlich, im Kontext der Kunst- und Kulturgeschichte, ist der Begriff der Moderne jedoch mehr oder weniger fest mit einer zwar nicht abgeschlossenen, aber bereits historischen Epoche der Kunstgeschichte verbunden. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Begriffs der Postmoderne (vgl. Postmoderne Architektur) gilt hier modern nicht mehr unbedingt als zeitgenössisch oder zeitgemäß.
Mit den Begriffen Zeitgenössische Kunst, Gegenwartskunst und Contemporary Art ist keine Aussage hinsichtlich Konzept, künstlerischem Stil, Technik, Form sowie hinsichtlich Zugehörigkeit zu einer künstlerischen Strömung, Bewegung bzw. Gruppe verbunden. Zeitgenössische Kunst kann Malerei sein, aber beispielsweise auch in einer Form vorliegen, die sich erst in den letzten Jahren und Jahrzehnten etablierte, wie beispielsweise Videokunst oder Konzeptkunst.
Die Begriffe Zeitgenössische Kunst und Gegenwartskunst können nicht nur auf das einzelne Kunstwerk zielen, sondern auch auf ein schwer abgrenzbares kulturelles und ökonomisches System der Kunstproduktion, das sich teilweise mit dem Kunstbetrieb überschneidet und teilweise am Kunstmarkt orientiert. Viele Museen und regelmäßig stattfindende Kunstausstellungen sehen sich heute weltweit als Ausstellungsorte für relevante zeitgenössische Kunst. Als die bedeutendste Ausstellung für Gegenwartskunst gilt die alle fünf Jahre stattfindende documenta. Die Ausstellungsmacher der documenta 12 im Jahr 2007 betonten im Zusammenhang mit den Begriffen Zeitgenössische Kunst und aktuelle Kunst, dass „[...] „aktuell“ nicht heißt, dass die Werke gestern entstanden sind. Sie müssen für uns Heutige bedeutsam sein.“

Kunst aus psychologischer Sicht

Sigmund Freud sah in der Kunst – wie auch generell in jeder Tätigkeit, die nach Schöpfung oder Machtgewinn strebt – den Versuch, den Trieb der Libido auf nicht-sexuelle Weise zu kompensieren.

Die rechtliche Stellung der Kunst

Kunst ist eine Erscheinung in jeder Kultur, Gegenstand sozialer Konventionen und – sofern eine Gesellschaft ein Rechtswesen entwickelt – ein Objekt der Gesetzgebung. In demokratischen Ländern ist das Recht auf Kunstfreiheit entweder in der Verfassung verankert oder im Rahmen der Meinungsfreiheit garantiert. In zahlreichen anderen Staaten wird die Kunstausübung reglementiert und/oder zu Propagandazwecken instrumentalisiert. In Diktaturen wird Kunst häufig gezielt dazu eingesetzt, das jeweilige Regime zu stabilisieren. Freier künstlerischer Ausdruck wird einer Zensur unterworfen und ist Repressionen ausgesetzt. Teilweise werden die staatlichen, sozialen oder religiösen Anforderungen insoweit verinnerlicht, dass der Künstler von sich aus affirmative Werke produziert (Schere im Kopf).
Plagiate, Imitate und stark von anderen Künstlern beeinflusste Werke gab und gibt es in jeder Phase der Kunstgeschichte. Wenn der Produzent seine Vorbilder verbirgt, ist dies als Kunstfälschung ebenso strafbar wie eine Verletzung des Urheberrechts. Um eine solche Verletzung rechtlich fassbar zu machen, werden vom Gesetzgeber Kriterien eingeführt, die im Kunstbetrieb selbst keine Rolle spielen. So kann aus der Sicht des Urheberrechts ein Künstler ein Werk erst als sein Eigentum bezeichnen, wenn es eine Schöpfungshöhe erreicht hat. Diese setzt eine persönliche, individuelle und geistige (menschliche) Schöpfung voraus, welche eine durch die menschlichen Sinne wahrnehmbare Form besitzt (siehe Werkbegriff des Urheberrechts bzgl. der Schöpfungshöhe).

Kunstsoziologie

Die ersten Kunstwerke des Menschen waren religiös/kultisch motiviert, später handelte es sich bei Malerei und Bildhauerei meist um Auftragskunst für religiöse Institutionen (in Europa: die Kirche) oder Angehörige gesellschaftlicher Oberschichten (in Europa: der Adel und nachfolgend das Bürgertum). Die Motive und Bildsprache unterlagen in den meisten Kulturen oft strengen Konventionen. In Europa veränderten die Entdeckung der Perspektive und andere technische Erfindungen die Kunst radikal. Die Entstehung einer Kunst, die als Selbstzweck keinem speziellen Nutzen mehr diente (L'art pour l'art), veränderte wiederum das Verhältnis von Künstler, Gesellschaft und Kunstwerk. Kunst wurde ausgehend vom europäischen Kulturraum oft zum Ausdruck und einzig möglichem Ort von Utopien oder übernahm Aufgaben der Religion. Heute ist die professionelle bildende Kunst von einem global agierenden Kunstmarkt bestimmt, der immer weiter wächst. In den westlichen Ländern werden zunehmend auch öffentliche Gelder oder Kunstorte wie Museen durch privatwirtschaftliche Institutionen und private Stiftungen ersetzt. Diskussionen um den zeitgenössischen Kunstbegriff finden in der Kunstkritik, Kunsttheorie und an den Kunstakademien statt. Der ursprünglich in Europa und Nordamerika konzentrierte Kunstbetrieb wird seit den 1990er Jahren zunehmend von den Schwellenländern, wie z. B. Brasilien, Südafrika, Korea oder den Golfstaaten mit eigenen Biennalen u. a. in ein weltweites Netzwerk erweitert.

Das Kunstwerk

Der Begriff Kunstwerk bezeichnet allgemein das Erzeugnis künstlerischen Schaffens. Umgangssprachlich äußert sich in diesem Begriff häufig Bewunderung für die meisterhafte, einzigartige oder ästhetisch gelungene Ausführung. Der umgangssprachliche Gebrauch von „Kunstwerk“ bezeichnet als „schön“ empfundene Eindrücke aus nahezu allen Bereichen. In der Unterscheidung von Kunstwerk und Nicht-Kunstwerk drückt sich dabei der Kunstbegriff aus.
Der Begriff des Kunstwerks erfuhr im Laufe seiner Geschichte verschiedene Definitionen, die teils weiter und teils enger gefasst sind. Engere Definitionen ordnen dabei nicht jedem künstlerischen Erzeugnis den Status des „Werks“ zu. Ein Beispiel dafür ist Theodor W. Adornos Begriff des autonomen Kunstwerks, der nur einen sehr begrenzten Teil ausschließlich der abendländischen Kunst erfasst. Andere Definitionen bemühen sich darum, ein möglichst breites Spektrum der Kunst zu erfassen. Ein Beispiel hierfür ist der Begriff des Kunstwerks, den Walter Benjamin in seiner Schrift Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit anwendet und der danach strebt, auch neuen Kunstformen den Status des „Werks“ zuzuerkennen.
Nicht jede Kunstform stellt für sich den Anspruch, „Werke“ zu produzieren.
Das Kunstwerk wird in seiner Qualität durch die Kunstkritiker und Kunsthistoriker öffentlich bewertet und von den Besuchern/Betrachtern in seiner Bedeutung entweder geadelt, ignoriert oder gar verrissen.
Das Kunstwerk wird in der Regel in Museen oder Galerien gezeigt, kann aber auch in Privatbesitz sein und somit unzugänglich für die Öffentlichkeit. Während Museen der Künste Sammlungen von Kunstwerken anlegen, um diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sind Galerien Verkaufsräume der Kunst, in denen es um den Abverkauf der gezeigten Werke an öffentliche oder private Sammler geht. Der Künstler, der sein Werk verkauft, hat kaum Einfluss mehr auf den Verbleib des Werkes; ebenso profitiert er nicht von den weiteren Verkauferlösen.
Die Entwicklung des Kunstwerks in der Zeit wird durch die Kunstgeschichte beschrieben, die von Kunsthistorikern interpretiert wird.
In Abgrenzung vom Kunstwerk existiert auch der Begriff Kunstgegenstand, der Objekte bezeichnet, die neben der Tatsache, ein Kunstwerk zu sein, auch einen anderen Zweck erfüllen, wie sie Kunstgewerbe (Angewandte Kunst) oder Kunsthandwerk, aber auch z. B. die Architektur produzieren.

Kunstgeschichte

Die Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaft ist die Wissenschaft von der historischen Entwicklung der bildenden Künste und ihrer ikonographischen, ikonologischen wie auch materiellen Bestimmung. Sie untersucht und beschreibt ebenso die kulturelle Funktion der Kunst hinsichtlich ihrer künstlerisch-anschaulichen Gegebenheiten, wie auch den Schaffensprozess des Künstlers.

Die Geschichte der Bildenden Kunst vollzieht sich durch die Veränderung der gesellschaftlichen Funktion und Stellung der Kunst, der theoretischen Auffassung über sie, sowie durch die Entwicklung der Kunstformen und Stilrichtungen. Ziel des Faches Kunstgeschichte (oder auch Kunstwissenschaft) ist es, die künstlerischen Objekte nach ihren Inhalten zu befragen (Ikonographie), die Werke in Raum und Zeit einzuordnen und ihrer Rezeption nachzugehen; dabei werden einerseits stilistische Zusammenhänge besprochen, andererseits wird versucht, den historischen Kontext als Voraussetzung eines Kunstwerks zu verstehen oder ihn zum Verständnis des Werks miteinzubeziehen.
Im Gegensatz zur Kunstkritik wählt sich die Kunstgeschichte in der Regel historische Gegenstände oder versucht zumindest sich zeitgenössischen Themen mit einer wissenschaftlich abgesicherten, methodisch definierten Herangehensweise zu nähern. Dabei wird anerkannt, dass (wissenschaftliche) Rezeption und Interpretation selbst zeitgebundene Handlungen sind.
Die klassischen Untersuchungsobjekte der Kunstgeschichte sind europäische und vorderasiatische Werke der Malerei und Grafik, Bildhauerei und Baukunst in der Zeit vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart. Seit ungefähr der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden auch Gegenstände aus den Kirchenschätzen, die sog. Kleinkunst, analysiert. Die Vor- und Frühgeschichte behandelt (auch) die künstlerische Entwicklung vor dem Auftauchen der Schrift. Die Archäologie und die Ägyptologie behandeln (auch) die künstlerische Entwicklung der frühen Hochkulturen des Mittelmeerraumes. Die Kunstgeschichte widmet sich der Erforschung der historischen Entwicklung der europäischen Kunst ab dem Zeitpunkt, an dem das Christentum im 4. Jahrhundert im Römischen Reich Staatsreligion wird. In der Gegenwart erweitert sich das untersuchte Gebiet auf die kulturellen Einflusszonen der sogenannten westlichen Hemisphäre, also etwa auch Amerika oder die zeitgenössischen Künstler weltweit, die am Kunstmarkt teilnehmen.
Die Kunst nichteuropäischer Kulturen und Länder wird außerhalb dieser Länder in den jeweiligen Landeskunden (Sinologie, Arabistik, Afrikanistik etc.) miterforscht oder in übergreifenden Disziplinen wie der Ethnologie. Die Kunstgeschichte öffnete sich seit der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (siehe Carl Einstein, Leo Frobenius) auch anderen Kulturkreisen, etwa der Afrikanischen oder Asiatischen Kunstgeschichte. Darüber hinaus werden neue Darstellungsformen wie Fotografie, Medienkunst und Gattungen, z.B. Kunstgewerbe, Design untersucht. Jüngste Entwicklungen sehen in der Kunstgeschichte auch eine Bildwissenschaft, die - unabhängig vom Kunstcharakter eines Bildes - Funktionen und Entwicklungen analysiert (vgl. z. B. auch Game Studies).

Die Begriffe Kunstgeschichte oder Kunstwissenschaft sind eine Schöpfung des 19. Jahrhunderts und gehen auf Johann Joachim Winckelmann (1717–1768) zurück, der in seinen Werken zur Kunst der Antike erstmals genauere stilgeschichtliche Untersuchungen unternommen hat. Im ausgehenden 18. Jahrhundert legte Fiorillo an der Universität Göttingen die Grundlagen für die Kunstgeschichte als akademisches Fach. Die zweite Anregung brachte die Kunsttheorie, allen voran Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Johann Gottfried Herder, sowie die Romantik.
Grundlagen für die Kunstwissenschaft legten Karl Friedrich von Rumohr und Gustav Friedrich Waagen. Als Fachwissenschaft begründet wurde sie zum einen von Historikern wie Jacob Burckhardt, Herman Grimm und Carl Justi, die die Kunst in den allgemeinen Rahmen der Kulturgeschichte einbezogen. Zum zweiten durch die beginnende antiquarische Sichtung und Ordnung der überlieferten Kunstwerke, die eng mit dem Kunstsammeln verbunden war. Aus ihr entstanden die positivistische und kennerschaftliche Kunstgeschichte (Giovanni Morelli, Gottfried Semper). Eine dritte Wurzel der Kunstgeschichte kam aus der Philosophie und Ästhetik, vertreten durch Hotho, Karl Schnaase; auch viele spätere Kunsthistoriker studierten Kunstgeschichte und Philosophie (Heinrich Wölfflin, Aby Warburg).

 

Quelle: Wikipedia
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